Prophetic Performance is/as Proclamation
Lis Valle, „playful scholar-activist” und „indecent theologian” verbindet in ihrer Arbeit Theologie, (Migrations-)Recht, Theater, Ritual- und Predigt-Theorie und -Praxis mit Engagement für Gerechtigkeit und community-building.
Sie lehrt Homiletik und Liturgie am McCormick Theological Seminary in Chicago und forscht zu Predigt und Gottesdienst als Praxis der Verkörperung in vielfältigen Kontexten, wobei sie Performance-Theorie, trauma studies, dekoloniale und queere Perspektiven einbezieht.
Auf Einladung des Zentrums für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur kommt sie im Juni 2026 nach Wittenberg.
Vortrag und Workshops finden in englischer Lautsprache statt, die Predigt geht darüber hinaus.
Anmeldung: bis zum 15. Mai 2026 über das Sekretariat: oder über die Homepage.
Teilnahmegebühr: Die Teilnahme am Programm der carte blanche ist kostenlos. Bei der Suche nach Unterkünften in Wittenberg sind wir gerne behilflich, ein Zimmerkontingent an der Leucorea inklusive Frühstück und Abendessen ist reserviert.
Hinweis: Vortrag und Workshop finden in englischer Lautsprache statt. Der Workshop steht in Verbindung mit dem 2. Christopher-Street-Day in Wittenberg.
Geplantes Programm
Freitag, 19.06.2026, 18:00 Uhr, Leucorea Wittenberg
Vortrag: Prophetische Performance ist/als Verkündigung
Im Gespräch mit der Performance-Theorie untersucht dieser Vortrag die reiche und vielfältige Geschichte der Predigtpraktiken vor dem Aufkommen von Kanzeln und der formalisierten christlichen Rhetorik. Lange bevor Paulus die römische Rhetorik übernahm, überbrachten Prophetinnen Botschaften auf Straßen und in Palästen – manchmal durch gesprochene Orakel und theatrale Zeichenhandlungen. Heute fragen wir uns: Was wurde aus dieser Vielfalt? Warum ist für viele Christinnen heute „Predigt“ dasselbe wie „Rede von einer Kanzel“? Entlang an der Hebräischen Bibel, Texten des Neuen Testaments und der christlichen Geschichte wird sichtbar, wie wir verkörperte Predigtpraktiken – Zeichenhandlung, Dramatisierung und ekstatischen Ausdruck – wiederentdecken und ihre heutige Relevanz neu denken können.
Samstag, 20.06.2026, ab 10:00 Uhr, Leucorea Wittenberg
Workshop: Prophetische Predigt und ARTivismus
Dieser Workshop regt unsere Vorstellungskraft an und führt in die Möglichkeiten ein, die ARTivismus für die Predigt auf und neben Kanzel, in und außerhalb von Kirchen bietet. Ideen aus der Praxis inspirieren dazu, die im Vortrag besprochenen Methoden in die zeitgenössische Predigt zu integrieren. Die Teilnehmer:innen werden ihre Kommunikationsfähigkeiten über die Rhetorik hinaus nutzen, um prophetisch-politische Predigten zu entwerfen, die alternativ, künstlerisch und sogar nonverbal komponiert werden. Wir appellieren an Gottes Liebe und verkündigen Gottes Gerechtigkeit, indem wir verschiedene Realitäten der göttlichen Gerechtigkeit, Befreiung und Erlösung inszenieren.
Sonntag, 21.06.2026, 10:00 Uhr, Schlosskirche Wittenberg
Predigt: Die bittere Schönheit der Vergebung Gottes (Micha 7,18-20)
Oft feiern wir Versöhnung als Fest – ein Festmahl, ein Lied, ein Tanz der Barmherzigkeit. Aber was, wenn sich Vergebung wie Verrat anfühlt? Die Texte des Gottesdienstes führen uns mitten hinein in diese Spannung: Micha verkündet die Freude Gottes an der Barmherzigkeit, Lukas singt von der Freude über das Verlorene, Jona wütet gegen eine Gnade, die sich ungerecht anfühlt.
Download: Plakat/ Programm
Unter dem Titel carte blanche lädt das Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur in verschiedenen Kooperationen einmal jährlich international bedeutende Homiletiker:innen zu einem Thema ihrer Wahl ein. In den vergangenen Jahren haben wir Charles Campbell, Dawn Ottoni-Wilhelm, Frank A. Thomas, Marlene Ringgaard Lorensen, Carina Sundberg, Heidi Neumark, Johann Cilliers, Nadia Bolz-Weber, Anathea Portier-Young, Cas Wepener, Sam Wells, zuletzt Caroly Sharp und Luke Powery erlebt und von ihnen gelernt.
Rückblick:
Carte Blanche 2025 für Luke Powery