Übung – Gestaltung- Praxis
Der Körper agiert immer mit, ob bei einer Predigt oder in der Liturgie. Er ist der erste Zeuge der Worte, die gesprochen oder gesungen werden. Oder er ist der erste, der widerspricht. In dieser Möglichkeit des Widerspruchs öffnet sich ein Arbeitsfeld, die Arbeit am Auftritt. Diese Arbeit findet ihren Sinn in der Beobachtung, dass die Widerspruchsmöglichkeit des Körpers in der Öffentlichkeit zunimmt, in medialer Verstärkung umso mehr.
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Verbindung (wieder)herzustellen, die zwischen den Worten und der Person, die spricht, besteht. Das kann sehr persönlich sein. Eine derartige Verbindung besteht auch zwischen liturgischen Vollzügen und den Alltagsverrichtungen, die ihnen zu Grunde liegen. Reißt sie ab, höhlen die Gesten aus.
Eine besondere Stellung in diesem Arbeitsfeld nehmen die Lesungen und die ihnen zugrundeliegende Praxis des lauten Lesens ein. Hier können nicht nur der Körper und die gelesenen Worte in Widerspruch geraten. Der gelesene Text selbst wird durch ihn verschlossen und auf seine informative Oberflächenebene beschränkt.
In Zeiten des Geredes und seiner Vervielfältigungen kommt es darauf an, in diesem Arbeitsfeld genau zu sein. Der Mensch als Zeugin seiner Worte sollte nicht aus dem Blick geraten in einer Religion, in deren Zentrum die Menschwerdung Gottes steht.