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Worte als Zeugen

Wenn Worte bedroht sind und in ausweglosen Situationen
gefangen zu sein scheinen, lohnt es sich, nach Worten zu suchen, die trotz allem niedergeschrieben wurden und somit Zeugnis ablegen wider alles Gerede.

Während der Passionszeit 2026 wird an dieser Stelle täglich ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer, Simone Weil u.a. veröffentlicht.

11. März 2026

Wir sind stumme Zeugen böser Taten gewesen, wir sind mit vielen Wassern gewaschen, wir haben die Künste der Verstellung und der mehrdeutigen Rede gelernt, wir sind durch Erfahrung misstrauisch gegen die Menschen geworden und mussten ihnen die Wahrheit und das freie Wort oft schuldig bleiben, wir sind durch unerträgliche Konflikte mürbe oder gar zynisch geworden – sind wir noch brauchbar?  


10. März 2026

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht. (Dietrich Bonhoeffer)


9. März 2026

Denken und Handeln im Blick auf die kommende Generation, dabei ohne Furcht und Sorge jeden Tag bereit sein, zu gehen – das ist die Haltung, die uns praktisch aufgezwungen ist und die tapfer durchzuhalten nicht leicht, aber notwendig ist. (Dietrich Bonhoeffer)


7. März 2026

Es ist unendlich viel leichter, im Gehorsam gegen einen menschlichen Befehl zu leiden als in der Freiheit eigenster verantwortlicher Tat. Es ist unendlich viel leichter, in Gemeinschaft zu leiden als in Einsamkeit. Es ist unendlich viel leichter, öffentlich und unter Ehren zu leiden als abseits und in Schanden. Est ist unendlich viel leichter durch den Einsatz des leiblichen Lebens zu leiden als durch den Geist. Christus litt in Freiheit, in Einsamkeit, abseits und in Schanden, an Leib und Geist, und seither viele Christen mit ihm. (Dietrich Bonhoeffer)


6. März 2026

Wir sind nicht Christus, aber wenn wir Christen sein wollen, so bedeutet das, dass wir an der Weite des Herzens Christi teilbekommen sollen in verantwortlicher Tat, die in Freiheit die Stunde ergreift und sich der Gefahr stellt, und in echtem Mitleiden, das nicht aus der Angst, sondern aus der befreienden und erlösenden Liebe Christi zu allen Leidenden quillt. (Dietrich Bonhoeffer)


5. März 2026

In anderen Zeiten mag es die Sache des Christentums gewesen sein, von der Gleichheit der Menschen Zeugnis zu geben; heute wird gerade das Christentum für die Achtung menschlicher Distanzen und menschlicher Qualität leidenschaftlich einzutreten haben. Die Missdeutung, als handele man in eigener Sache, die billige Verdächtigung unsozialer Gesinnung, muss entschlossen in Kauf genommen werden. […] Quantitäten machen einander den Raum streitig. Qualitäten ergänzen einander. (Dietrich Bonhoeffer)


4. März 2026

Immer wird uns das Vertrauen eines der größten, seltensten und beglückendsten Geschenke menschlichen Zusammenlebens bleiben und es wird doch immer nur auf dem dunklen Hintergrund eines notwendigen Misstrauens entstehen. Wir haben gelernt, uns dem Gemeinen durch nichts, dem Vertrauenswürdigen aber restlos in die Hände zu geben. (Dietrich Bonhoeffer)


3. März 2026

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube das Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern, dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet. (Dietrich Bonhoeffer)


2. März 2026

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. (Dietrich Bonhoeffer)


28. Februar 2026

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. (Dietrich Bonhoeffer)


27. Februar 2026

Wir müssen lernen, die Menschen weniger auf das, was sie tun oder unterlassen, als auf das, was sie erleiden, anzusehen. Das einzig fruchtbare Verhältnis zu den Menschen – gerade zu den Schwachen – ist Liebe, d.h. der Wille mit ihnen Gemeinschaft zu halten. Gott selbst hat die Menschen nicht verachtet, sondern ist Mensch geworden um der Menschen willen. (Dietrich Bonhoeffer)


26. Februar 2026

Das Wort der Bibel, dass die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, dass die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist. (Dietrich Bonhoeffer)


25. Februar 2026

Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, dass nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, dass eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen verzichten müssen. (Dietrich Bonhoeffer)


24. Februar 2026

Bei genauem Zusehen zeigt sich, dass jede starke Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. (Dietrich Bonhoeffer)


23. Februar 2026

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Geistes als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurücklässt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. (Dietrich Bonhoeffer)


21. Februar 2026

Die letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern (wie)eine kommende Generation weiterleben soll. Nur aus dieser geschichtlich verantwortlichen Frage können fruchtbare – wenn auch vorübergehend sehr demütigende – Lösungen entstehen. Kurz, es ist sehr viel leichter, eine Sache prinzipiell als in konkreter Verantwortung durchzuhalten. (Dietrich Bonhoeffer)


20. Februar 2026

Civilcourage aber kann nur aus der freien Verantwortlichkeit des freien Menschen erwachsen. Die Deutschen fangen erst heute an, zu entdecken, was freie Verantwortung heißt. Sie beruht auf einem Gott, der das freie Glaubenswagnis verantwortlicher Tat fordert und der dem, der darüber zum Sünder wird, Vergebung und Trost zuspricht. (Dietrich Bonhoeffer)


19. Februar 2026

Wer hält stand? Allein der, dem nicht seine Vernunft, sein Prinzip, sein Gewissen, seine Freiheit, seine Tugend, der letzte Maßstab ist, sondern der dies alles zu opfern bereit ist, wenn er im Glauben und in alleiniger Bindung an Gott zu gehorsamer und verantwortlicher Tat gerufen ist, der Verantwortliche, dessen Leben nichts sein will als die Antwort auf Gottes Fragen und Ruf. Wo sind diese Verantwortlichen? (Dietrich Bonhoeffer)


18. Februar 2026

Ob es jemals in der Geschichte Menschen gegeben hat, die in der Gegenwart so wenig Boden unter den Füßen hatten, […] wie wir? Oder vielmehr: ob die verantwortlich Denkenden einer Generation vor einer großen geschichtlichen Wende jemals anders empfunden haben, wie wir heute, – eben, weil etwas wirkliche Neues im Entstehen war, das in den Alternativen der Gegenwart nicht aufging? (Dietrich Bonhoeffer)


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Die ersten 20 Texte sind ausgewählt aus: Dietrich Bonhoeffer, Rechenschaftsbericht an der Wende zum Jahr 1943: Nach zehn Jahren; in: Ders., Widerstand und Ergebung. Die dann folgenden Texte sind ausgewählt aus Simone Weil, Schwerkraft und Gnade, aus dem Französischen von Friedhelm Kemp, und Dies., Die Ilias oder das Poem der Gewalt, aus dem Französischen von Thomas Laugstien, in: Dies., Krieg und Gewalt. Essays und Aufzeichnungen (Zürich 2021). Auswahl: Dietrich Sagert