Alex Stock: Aus der „Poetischen Dogmatik“ und anderen Werken
Der katholische Theologe Alex Stock (1937-2016) ist vor zehn Jahren gestorben. Aus diesem Anlass bringen wir 12 unterschiedliche Texte von ihm zu Gehör. Jeden Monat einen. Darunter konzeptionelle Texte aus der „Poetischen Dogmatik“, aus der „Christologie“ über „Luthers Abendmahlslied“ und „Noli me tangere“, über „Natur- und Gotteskunde“ zu Gedichten von Johannes Bobrowski, über „Die große Litanei“ und „Paraclete, Atemzug“ von Huub Oosterhuis u.a.
Februar: Natur- und Gotteskunde
Unter den Dichtern, mit denen sich Alex Stock besonders beschäftigte, ist Johannes Bobrowski (1917-1965). Dieser Dichter Sarmatiens lebte in Ostberlin. Ihm widmete Stock ein Bändchen mit dem Titel „Warten ein wenig. Zu Gedichten und Geschichten von Johannes Bobrowski“ (1991). Der Titel des Bandes entstammt dem Gedicht „Immer zu benennen“. Es steht auch im Zentrum des ausgewählten Kapitels.
Immer zu benennen
Den Baum, den Vogel im Flug,
den rötlichen Fels, wo der Strom
zieht, grün, und den Fisch
im weißen Rauch, wenn es dunkelt
über die Wälder herab.
Zeichen, Farben, es ist
ein Spiel, ich bin bedenklich,
es möchte nicht enden
gerecht.
Und wer lehrt mich,
was ich vergaß: der Steine
Schlaf, den Schlaf
der Vögel im Flug, der Bäume
Schlaf, im Dunkel
Geht ihre Rede – ?
Wär da ein Gott
und im Fleisch,
und könnte mich rufen, ich würd
warten ein wenig.
Auswahl und Lesung: Dietrich Sagert
Aufnahme: Bernhard Voss, Voss Tonwerkstatt, Berlin
Mit der freundlichen Genehmigung von Brill und dem EOS Verlag.